
Ratgeber
Fliesen
Die Fliese entscheidet man in zehn Minuten. Alles danach entscheidet, ob es gut aussieht.
Bei Fliesen fällt die sichtbare Entscheidung — Farbe, Format — schnell. Die Entscheidungen, an denen es hinterher hakt, sind die unsichtbaren: Untergrund, Verband, Fuge, Menge. Und die fallen fast immer zu spät.
So nicht
So richtigDie 5 häufigsten Fehler
- 1
Zu knapp bestellt
Fliesen werden in Chargen gebrannt. Wer nachbestellt, bekommt eine andere Charge — und die ist nie exakt dieselbe Farbe. Der Nachschub liegt dann sichtbar neben der ersten Lieferung.
Besser so
Verschnitt großzügig einrechnen — bei geradem Verband weniger, bei diagonaler Verlegung und vielen Ecken deutlich mehr. Und immer ein ganzes Paket als Reserve behalten, für den Schaden in fünf Jahren.
Grundlage: Chargenbindung ist Herstellerpraxis; Nachlieferungen tragen eine eigene Farbnummer
- 2
Großformat nur im Kamm verlegt
Bei großen Platten reicht der Kleberkamm auf dem Untergrund nicht. Es entstehen Hohlstellen, und Hohlstellen brechen — meist an der Kante, meist unter Belastung, meist nach der Abnahme.
Besser so
Buttering-Floating: Kleber auf den Untergrund UND auf die Plattenrückseite. Als großformatig gilt dabei eine Kantenlänge über 60 Zentimeter oder eine Fläche über 0,25 Quadratmeter — also schon eine 50 × 50. Das ist Mehraufwand und der Grund, warum ein sauberes Großformat teurer verlegt wird als eine 30er-Fliese.
Grundlage: ZDB-Merkblatt „Großformatige keramische Fliesen und Platten" (Fachverband Fliesen und Naturstein im ZDB)
- 3
Bewegungsfugen weggelassen
Sie stören das Bild, also lässt man sie weg. Der Belag arbeitet aber trotzdem — bei Fußbodenheizung besonders. Ohne Fuge sucht sich die Spannung ihren Weg, und der geht durch die Fliese oder die Fuge.
Besser so
Feldbegrenzung planen, an Türdurchgängen trennen, Randfugen freihalten. Richtwert bei beheiztem Zementestrich: Felder bis etwa 40 Quadratmeter, Seitenlänge höchstens 8 Meter, und möglichst quadratisch geschnitten. Eine gerade gezogene Bewegungsfuge sieht ordentlich aus, ein Riss nicht.
Grundlage: ZDB-Merkblatt „Bewegungsfugen in Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten"; DIN 18560
- 4
Fugenfarbe am Musterstück entschieden
Auf zehn Zentimetern Musterfläche sieht jede Fugenfarbe unauffällig aus. Auf zwanzig Quadratmetern entscheidet sie, ob man eine Fläche sieht oder ein Raster. Dunkle Fuge zu heller Fliese zeichnet jedes Format nach.
Besser so
Musterfläche legen — mindestens vier Fliesen mit echter Fuge — und bei dem Licht ansehen, das der Raum später hat. Ton in Ton beruhigt, Kontrast betont; beides ist richtig, aber es muss gewollt sein.
Grundlage: Keine Norm — aber die häufigste Reklamation, die hinterher niemand mehr gewinnt
- 5
Untergrund nicht geprüft
Restfeuchte, Ebenheit, Festigkeit — drei Prüfungen, die vor dem ersten Sack Kleber gehören. Auf zu feuchtem Estrich verlegt, treibt die Feuchte später Ausblühungen und löst die Haftung.
Besser so
Messen statt schätzen, und das Ergebnis notieren. Für die Ebenheit gilt DIN 18202; bei sehr großen Formaten lohnt es sich, die erhöhten Anforderungen ausdrücklich zu vereinbaren, weil eine steife Platte jede Welle nachzeichnet. Passt der Untergrund nicht, ist Grundierung oder Ausgleich die günstigste Position im ganzen Angebot.
Grundlage: Prüf- und Bedenkenpflicht nach VOB/C ATV DIN 18352 (Fliesen- und Plattenarbeiten); Ebenheitstoleranzen nach DIN 18202
Das klären wir vor der Bestellung
- Format und Verband — davon hängen Verschnitt und Verlegeaufwand ab.
- Untergrund: neuer Estrich, alter Belag, Holz? Und mit Fußbodenheizung?
- Wo sollen die Schnitte hin und wo beginnt die erste ganze Fliese?
- Fugenfarbe an der Musterfläche entschieden, nicht am Katalog?
