
Ratgeber
Dach
Ein Dach ist dicht oder nicht. Dazwischen gibt es nichts.
Am Dach rächt sich jeder Kompromiss doppelt: Der Schaden zeigt sich spät, und wenn er sich zeigt, ist der Weg dorthin teuer. Die meisten Dachschäden kommen nicht von außen, sondern von innen — aus warmer Raumluft, die in den Aufbau gelangt und dort abkühlt.
So nicht
So richtigDie 5 häufigsten Fehler
- 1
Durchdringungen der Dampfbremse nicht abgedichtet
Leitungen dürfen durch die luftdichte Ebene geführt werden — sie müssen dann aber dauerhaft mit Manschetten oder Klebedichtmasse geschlossen werden. Wer nur ein Loch schneidet und Klebeband darüber zieht, hat eine Stelle, an der warme Raumluft in die Dämmebene wandert und an der kalten Seite kondensiert. Das Wasser läuft nicht ab, es bleibt in der Dämmung.
Besser so
Der sicherere Weg ist, gar nicht erst zu durchdringen: eine eigene Installationsebene vor der Bremse, Leitungen davor. Das kostet ein paar Zentimeter Raumhöhe und nimmt die Fehlerquelle ganz heraus.
Grundlage: DIN 4108-7 (Luftdichtheit von Gebäuden)
- 2
Dämmung gequetscht
Mineralwolle dämmt über die Luft in ihrer Struktur. Wer eine zu dicke Matte zwischen die Sparren presst, verliert genau diese Luft. Und wer zu knapp schneidet, lässt Fugen — an denen die Wärme dann geradewegs durchgeht.
Besser so
Sparrenabstand messen und die Matte ein bis zwei Zentimeter breiter zuschneiden, damit sie klemmt, ohne zu stauchen. Eine dünnere Dämmung, die richtig sitzt, ist besser als eine dicke, die gequetscht ist.
Grundlage: Verarbeitungsrichtlinien der Dämmstoffhersteller; Voraussetzung für die Werte nach DIN 4108
- 3
Traufe und First zugebaut
Ein belüftetes Dach braucht unten und oben eine Öffnung, sonst steht die Luft in der Belüftungsebene. Beim Ausbau wird die Traufe gern zugedämmt, weil dort ohnehin niemand hinsieht.
Besser so
Die Belüftungsebene bleibt frei — mit Konterlattung, Traufenlüfter und offenem First. Die Norm nennt dafür Mindestquerschnitte: an der Traufe 200 cm² je Meter Trauflänge, am First 0,5 Promille der zugehörigen Dachfläche, mindestens aber 50 cm² je Meter. Wenn der Aufbau unbelüftet geplant ist, muss er das von Anfang an sein; die Mischung aus beidem funktioniert nicht.
Grundlage: DIN 4108-3 (klimabedingter Feuchteschutz)
- 4
Dachfenster nach der Dämmung eingebaut
Anschlussschürze, Dampfsperrkragen und Dämmrahmen gehören zum Fenster und werden mit ihm gesetzt. Wer das Fenster nachträglich in einen fertigen Aufbau schneidet, baut die Luftdichtheit hinterher ein — und meist nicht dicht.
Besser so
Die Fenster kommen mit der Eindeckung, die Dämmung wird danach an den Rahmen herangeführt — dann lässt sich die Dampfbremse sauber an den Blendrahmen anschließen. Und: zwei Fenster gegenüber statt nebeneinander, dann hat der Raum den ganzen Tag Licht statt nur vormittags.
Grundlage: Einbauanleitungen der Hersteller; Fachregeln des Dachdeckerhandwerks
- 5
Ziegel am nassen Muster ausgesucht
Ein nasser Dachziegel ist bis zu drei Töne dunkler als derselbe Ziegel trocken. Wer im Regen auf dem Hof entscheidet, wundert sich beim ersten Sonnentag — und dann liegen sie schon oben.
Besser so
Trocken und bei Tageslicht ansehen, am besten mehrere Ziegel nebeneinander. Engobiert und glasiert sehen aus der Entfernung völlig anders aus als aus zwei Metern; danach entscheidet man, nicht davor.
Grundlage: Physikalischer Effekt poröser Oberflächen — keine Norm, aber jedes Mal derselbe
Das klären wir vor der Bestellung
- Belüftet oder unbelüftet — das entscheidet den kompletten Aufbau.
- Wird das Dachgeschoss ausgebaut, jetzt oder später?
- Wie viele Dachfenster, wo, und mit welchem Anschluss an die Dampfbremse?
- Ist der Dachstuhl aufgemessen oder wird nach Plan bestellt?
