
Ratgeber
Innenausbau
Am Ende sieht man eine weiße Wand. Die Arbeit steckt in dem, was darunter liegt.
Trockenbau sieht aus wie das einfachste Gewerk am Bau — Platten anschrauben, spachteln, streichen. Genau deshalb wird hier am meisten falsch gemacht: Die Fehler stecken in den Schichten dahinter und sind nach dem Streichen unsichtbar. Bis sie es nicht mehr sind.
So nicht
So richtigDie 5 häufigsten Fehler
- 1
Die Qualitätsstufe nie vereinbart
Q1 bis Q4 ist keine Formalie, sondern der Unterschied zwischen einer Wand, die im Streiflicht ruhig bleibt, und einer, an der man jede Fuge sieht. Wer nichts vereinbart, bekommt Q2 — und wundert sich, wenn die Sonne flach durchs Fenster steht.
Besser so
Vorher festlegen, und zwar raumweise. Q3 dort, wo Streiflicht auftrifft oder ein matter, glatter Anstrich kommt; Q4 nur, wo es wirklich sein muss — es kostet spürbar mehr.
Grundlage: Merkblatt Nr. 2 des Bundesverbands der Gipsindustrie („Verspachtelung von Gipsplatten — Oberflächengüten"). Ohne Vereinbarung ist Q2 geschuldet.
- 2
Zu früh gespachtelt
Ein Neubau arbeitet. Wer spachtelt, solange der Rohbau noch Feuchte abgibt und sich setzt, bekommt Risse an genau den Fugen, die er gerade geschlossen hat.
Besser so
Warten, bis Estrich und Putz durchgetrocknet sind und keine Längenänderungen mehr zu erwarten sind — und an Anschlüssen zu massiven Bauteilen gleitend arbeiten oder Trennstreifen setzen. Starr vermörtelte Anschlüsse sind unzulässig: Die Bauteile bewegen sich unterschiedlich, und der Riss kommt genau dort.
Grundlage: DIN 18181 (Verarbeitung von Gipsplatten), ATV DIN 18340 VOB/C
- 3
Keine Installationsebene
Derselbe Punkt wie am Dach, nur eine Etage tiefer: Leitungen durch die Dampfbremse gezogen, weil eine Lattung „unnötig" schien. Zulässig ist das nur, wenn jede Durchdringung dauerhaft abgedichtet wird — und genau daran scheitert es auf der Baustelle regelmäßig.
Besser so
Eine eigene Ebene vor der Bremse. Nebeneffekt: Man kann später eine Dose nachsetzen, ohne die Luftdichtheit zu zerstören.
Grundlage: DIN 4108-7 (Luftdichtheit von Gebäuden)
- 4
Befestigungen nicht mitgedacht
Fernseher, Hängeschrank, Waschtisch, Handtuchhalter — alles Dinge, die erst ein Jahr später kommen. Hohlraumdübel tragen je nach Bauart und Beplankung grob 25 bis 50 Kilogramm pro Dübel; bei tief auskragenden Lasten wie einem Hängeschrank zieht der Hebel diese Werte schnell zusammen. Und niemand weiß später, wo ein Ständer steht.
Besser so
Traversen oder Einbauplatten vor dem Beplanken setzen — daran hängt dann ein Vielfaches. Und die offene Wand fotografieren, mit Maßband im Bild. Das Foto ist in fünf Jahren mehr wert als jeder Plan.
Grundlage: Traglastangaben der Dübelhersteller; Lastannahmen nach Herstellerdokumentation
- 5
Schallschutz nur an der Platte gemessen
Eine Wand ist so leise wie ihre schlechteste Stelle. Zwei Lagen Gipskarton nützen nichts, wenn die Anschlussfuge starr ausgeführt ist oder die Steckdosen Rücken an Rücken sitzen.
Besser so
Anschlüsse mit elastischen Dichtungsstreifen entkoppeln, Dosen versetzt anordnen, Hohlraum mit Faserdämmstoff füllen. Der Wert auf dem Datenblatt gilt für den Laboraufbau, nicht für die Wand, in die jemand zwei Dosen Rücken an Rücken gefräst hat.
Grundlage: DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau)
Das klären wir vor der Bestellung
- Welche Qualitätsstufe, in welchem Raum?
- Außenwand oder Dachschräge dabei — also Dampfbremse und Installationsebene?
- Was soll später an die Wand, und wie schwer ist es?
- Wie ist der Schallschutz gefordert — Wohnung, Büro, Kinderzimmer?
